Irak
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Inhaltsverzeichnis
Geographie
Die irakische Republik liegt am nordöstlichen Rand der arabischen
Halbinsel und grenzt im Norden an die Türkei, im Osten an den Iran, im Süden an den Persischen Golf (40 km
Küstenlinie) und an Kuwait, im Südwesten
an Saudi-Arabien und
im Westen an Syrien und Jordanien. Mit einer Fläche von 438 317 km² ist
das Land etwa fünfmal so groß wie Österreich.
Im Osten und Südosten des Irak liegt die historische Landschaft
Mesopotamien (Zweistromland) zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris,
in der sich im 4. Jt. v.Chr. die erste menschliche Hochkultur
entwickelte. Der nördliche Teil Mesopotamiens ist eine
Steppenlandschaft, die im Süden in fruchtbares Schwemmland übergeht.
Der Euphrat fließt aus Syrien kommend auf einer Länge von ca. 1 100 km
durch irakisches Gebiet und vereinigt sich in der Nähe der Stadt Al
Kurnah im Südosten des Landes mit dem Tigris zum Schatt el Arab, der in
den Persischen Golf mündet. Der aus der Türkei kommende Tigris
durchfließt den Irak auf einer Länge von ca. 1 450 km. Die beiden
großen Seen Habbaniyah-See (350 km²) in der Nähe der gleichnamigen
Stadt und Hammar-See im Südosten des Landes werden beide vom Euphrat
gespeist und dienen heute als Stauseen.
Im Norden bzw. Nordosten des Irak hat das Land Anteil am Taurus-
und am Zagrosgebirge, die auf Höhen bis über 3 000 m ansteigen. Höchste
Erhebung des Landes ist hier der Haji Ibrahim mit 3 609 m. Die Wüsten
im Westen und Südwesten und die Steppen im Nordwesten bedecken rund
drei Viertel des Landes. Die Hauptstadt Bagdad liegt am Tigris im fruchtbaren
Zweistromland.
Klima
Das Klima im Irak ist geprägt durch sehr heiße Sommer und relativ
milde Winter. Die Durchschnittswerte im Juli in der Hauptstadt Bagdad
liegen bei 34 °C, Spitzenwerte über 50 °C sind im Sommer keine
Seltenheit. Im Januar werden in der Küstenregion durchschnittlich 10 °C
gemessen, in Bagdad rund 9 °C und im Norden des Landes etwa 6 °C. Hier
kann es auch zu Nachtfrösten kommen. Die Niederschlagsmengen sind
unterschiedlich und betragen in den Wüstengebieten weniger als 100 mm
jährlich, im gebirgigen Nordosten werden bis zu 1 200 mm gemessen. In
der Ebene von Euphrat und Tigris liegen die jährlichen Mittelwerte bei
400 mm. Fast die gesamten Niederschläge fallen in den Wintermonaten.
Flora und
Fauna
Im Irak finden sich nur noch im regenreichen Nordosten kleinere
Waldgebiete mit Eichen, Ahorn, Buchen und Platanen. Die Ebenen und die
Ufer der Gewässer werden vor allem von Schilf gesäumt, hier finden sich
ausgedehnte Dattelpalmenkulturen. Ein Großteil des Landes ist durch
karge Wüstenvegetation bedeckt, rund 5 % sind gänzlich ohne
Bewuchs.
In den kaum besiedelten Wüstengebieten finden angepasste
Tierarten einen weiten Lebensraum. Hier kommen unter anderem Hyänen,
Schakale, Antilopen, Wüstenspringmäuse und Geier vor. Die Reptilien-
und Insektenwelt ist artenreich.
Bevölkerung
Rund 26,07 Millionen Menschen leben im Irak, ca. 40 % sind
jünger als 15 Jahre. Die Bevölkerungsdichte ist mit etwa 66 Einwohnern
pro Quadratkilometer gering. Über 70 % der Gesamtbevölkerung leben
in Städten, allein der Großraum Bagdad fasst beinahe ein Fünftel aller
Iraker. Drei Viertel von ihnen sind Araber, die größte Minderheit
stellen die vor allem im Norden lebenden Kurden dar, die einen Anteil
von ca. 17 % an der Gesamtbevölkerung haben. Kleinere Minderheiten
im Land sind Turkmenen, Armenier, Aserbaidschaner und Aramäer.
Der Islam ist Staatsreligion im Irak, 97 % der Bevölkerung
sind muslimischen Glaubens, knapp zwei Drittel davon Schiiten.
Religiöse Minderheiten bilden unter anderem Christen und Jesiden. Die
Amtssprachen sind Arabisch und Kurdisch (in den nördlichen Provinzen),
weiter werden verschiedene Dialekte gesprochen.
Die Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich 69 Jahren. Das
Bevölkerungswachstum beträgt weiterhin hohe 2,7 %; die
Alphabetisierung wird auf nur 40,5 % geschätzt, drei Viertel aller
Frauen können nicht lesen und schreiben.
Politisches
System
Gemäß der Verfassung von 2005 ist der Irak eine parlamentarische
föderative Republik. Der dreiköpfige Präsidentschaftsrat besteht aus
dem Präsidenten (Dschalal Talabani, seit April 2005; Kurde) und zwei
Vizepräsidenten. Er wird durch das Parlament gewählt und enthält einen
Vertreter der Kurden, der Schiiten und der Sunniten. Die Minister
wurden durch den Präsidentschaftsrat ernannt. Premierminister ist Nuri
Al-Maliki (seit Mai 2006). Das Parlament besteht aus einer Kammer
(Madschlis an-Nuwaab) und besitzt 328 Mitglieder, die per
Verhältniswahl bestimmt werden (darin 25 % für Frauen reserviert).
Der Irak ist in 18 Verwaltungseinheiten (muhafazat)
untergliedert.
Wirtschaft
Iraks Wirtschaft, die traditionell auf dem Erdölexport basiert, wurde
durch die Kriege seit 1980 und das UN-Embargo (1991-2003) massiv
geschwächt. Nach dem Sieg der US-geführten Allianz 2003 kamen die
meisten wirtschaftlichen Aktivitäten vollständig zum Erliegen. Der
Wiederaufbau kam aufgrund der prekären Sicherheitslage nur langsam in
Schwung. Fast ein Viertel der Bevölkerung lebt unterhalb der
Armutsgrenze. Inzwischen ist die Prognose für die irakische
Volkswirtschaft jedoch relativ gut.
Fast 70 % des BIP werden im Industriesektor, und hier
wiederum zentral durch die Erdölgewinnung erwirtschaftet (99 % des
Exports). Weitere Bodenschätze im Land sind Schwefel- und
Phosphatvorkommen und verschiedene Erze (Uran, Eisen, Zink, Blei,
Chrom, Mangan, Kupfer).
Die Landwirtschaft, die 9 % zum BIP beiträgt, produziert
v.a. Weizen, Reis, Gemüse, Datteln und Baumwolle; es werden Rinder,
Schafe und Geflügel gezüchtet.
Hauptabnehmer des irakischen Erdöls sind die USA, gefolgt von
Indien und Südkorea. Der Import – Maschinen, verschiedene verarbeitete
Erzeugnisse, chemische Erzeugnisse und Lebensmittel – stammt aus
Syrien, Jordanien, der Türkei und den USA.
In allen Landesteilen gibt es inzwischen internationale
Flughäfen. Zwischen Bagdad und Basra wurde der Personenzugverkehr
wieder aufgenommen.
Währung ist der Neue Irakische Dinar (= 1 000 Fils).
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